Keine Chicken schicken
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Land:
Kamerun Partner:
Association Citoyenne de Défense des Intérêts Collectifs, ACDIC Ziel:
Durch intensive Lobbyarbeit sollen die europäischen Billigfleischexporte nach Kamerun verringert werden, um die inländische Geflügelwirtschaft zu stärken. Dauer:
Juli 2005 bis Juni 2007 |
Landwirtschaft in der Krise
Viele Ställe stehen leer in Kamerun, weil Geflügelzüchter aufgeben mussten. Die Familien sind ruiniert, so wie der Landwirt Michele Atangana. Er hatte auf die Hühnerzucht gesetzt und einen Kleinkredit aufgenommen, um Hühnerfutter zu kaufen. "Anfangs hatte ich gute Erträge und konnte die Raten zurückzahlen." Doch dann verkaufte er die Hühner ohne Gewinn, konnte den Kredit nicht mehr tilgen und sich weder neue Küken noch Futter leisten. 1999 kam der Zusammenbruch. Hühnerzüchter Atangana musste seine Geflügelhaltung aufgeben.
Das Importhuhn aus Europa wurde mit Kilopreisen von 1,44 Euro angeboten, bestimmte Teile gab es schon für 40 Cent. Die einheimischen Erzeugerinnen und Erzeuger konnten damit nicht konkurrieren. "Da kommt keiner gegen an", so Züchter Atangana. Günstiges lokales Geflügel kostete 1,80 Euro pro Kilogramm. Zwischen 1997 und 2000 ging die jährliche Produktion von Geflügelfleisch in Kamerun um ein Viertel zurück. Europäisches Hühnerfleisch kann nur so billig angeboten werden, weil die europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher den Handel mit weniger begehrtem Hühnerteilen subventionieren.
Unterbrochene Kühlkette
Erst waren es Gerüchte. Dann häuften sich die Berichte von Hochzeits- oder Trauergemeinden, bei denen Feierlichkeiten mit Fleischvergiftung endeten. Die tiefgefrorenen Geflügelteile aus Europa kamen ins Gerede. Trotzdem kauften die Verbraucherinnen und Verbraucher in Kamerun dieses Hühnerfleisch. Lokale Hühner werden traditionell lebendig vermarktet, das ist am hygienischsten. Für den täglichen Konsum sind sie jedoch für viele unerschwinglich.
Das änderte sich mit den EU-Importen. Sie waren billig und wurden meist als Teile verkauft. "Die Tiefkühlhähnchen haben keinen Geschmack", sagt eine Käuferin. "Aber sie kosten weniger, und es ist besser als nichts für die Kinder. Die Kinder haben das Gefühl, als äßen sie Fleisch." Huhn zu essen, wird als sozialer Aufstieg gewertet. Doch das Billigfleisch hat seinen Preis.
Tiefkühlkost ist in den Tropen und in armen Ländern eine Risikotechnologie. Nach dem Löschen des gefrorenen Hühnerfleisches im Hafen von Douala ließ sich in Kamerun die Kühlkette nicht mehr kontrollieren. Große Teile der Ware wurde auf offenen Pritschenwagen - bei über 30 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit - mehrere Stunden zu den Märkten im Lande transportiert. Oft wurde dort das Geflügel an offenen Ständen ohne Kühlung verkauft. Auch in Geschäften mit Tiefkühltruhen sah es kaum besser aus, wie ACDIC herausfand. 15 Prozent der Tiefkühlgeräte waren verrostet, ein Viertel war geöffnet und das Kühlgut angetaut.
Die Bürgervereinigung zur Verteidigung kollektiver Interessen (Association Citoyenne de Défense des Intérêts Collectifs, ACDIC) ließ im Frühjahr 2004 im Beisein eines Wirtschaftsprüfers an 28 Verkaufsständen in verschiedenen Orten Kameruns 200 Stichproben von gefrorenem Geflügelfleisch entnehmen. Die Ergebnisse der Analysen des Centre Pasteur in Jaunde: 83,5 Prozent der untersuchten Hähnchenteile waren für den menschlichen Verzehr ungeeignet. Der Mikrobenbesatz lag bis zu 180fach über den EU-Höchstwerten für Geflügel. 15 Prozent der Stichprobe enthielten Salmonellen und etwa jede fünfte war mit Campylobacter kontaminiert, den nach Salmonellen zweithäufigsten Erregern entzündlicher Durchfallerkrankungen. "Ein Desaster für die Gesundheit der Bevölkerung", so das Fazit von ACDIC.
Erfolgreicher Widerstand
"Der Export der gefrorenen Hühnerteile ist ein Angriff auf die Bauern, auf die Gesundheit unserer Bevölkerung und auf unsere Volkswirtschaft", sagt Bernard Njonga, Präsident von ACDIC. Die Bürgerbewegung wird Ende 2003 gegründet und startet eine Kampagne gegen die "Hähnchen des Todes" aus Europa. Sie deckt die Missstände beim Import und der Hygiene auf und schafft es, Medien, Politiker, Verbraucherinnen und Bauern in Kamerun zu mobilisieren. Die Kampagne hat Erfolg: Nach Aussagen des kamerunischen Ministeriums für Tierzucht können die einheimischen Bauern mittlerweile wieder zwischen 60 und 75 Prozent das geschätzten Jahresbedarfs von 35.000 Tonnen Geflügelfleisch decken.




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Last Update: 30.12.2008 16:28:55 |
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