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"Bei 20 Millionen Betroffenen ist klar, dass man helfen muss"


(Frankfurt, 26.08.2010) EED-Vorstand Claudia Warning bezweifelt, dass der Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe in Pakistan mit demokratischen Fortschritten einhergehen wird. "Es ist schwer abzuschätzen, inwieweit die Regierenden durch solch ein Unglück gefordert werden, sich wirklich für die Menschen einzusetzen", sagte Warning in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur epd.
Dorfbewohner versuchen mit Unterstützung der Diakonie Katastrophenhilfe das Wasser aus ihrem Dorf abzupumpen.
Bild vergrößern Dorfbewohner versuchen mit Unterstützung der Diakonie Katastrophenhilfe das Wasser aus ihrem Dorf abzupumpen.
"Ich habe vielmehr die Sorge, dass Seelenfänger aller Art am Werk sind, die nur Vorteile für ihre Parteigänger herausschlagen wollen", fügte die promovierte Geografin hinzu. Die komplizierte Lage zwischen Korruptions- und Terrorverdacht in Pakistan werfe schwierige Fragen auf: "Kann man ein Regime unterstützen, das mutmaßlich die Taliban unterstützt?" fragte Warning, die beim EED das Ressort Internationale Programme leitet und damit für die Entwicklungsprojekte in mehr als 80 Ländern zuständig ist.

Allerdings sei die Not so groß, dass keine Wahl bleibe. "Bei 20 Millionen Betroffenen ist klar, dass man helfen muss", sagte Warning. Zudem gebe es Beispiele für erfolgreiche Nothilfe. Die Diakonie Katastrophenhilfe etwa arbeite in Pakistan seit Jahren mit Partnerorganisationen zusammen, die in 5.000 Gemeinden vertreten seien und sicherstellten, dass Hilfe ankomme.

Laut Warning tut der Westen gut daran, bei der Finanzierung des Wiederaufbaus in Pakistan genau zu schauen, wohin das Geld fließt. Die Mittel müssten gerecht auf bedürftige Regionen und ethnische Gruppen verteilt werden: "Es darf nicht sein, dass nur bestimmte Kasten und Klassen Nutzen davon tragen."

Der EED unterstützt in Pakistan langfristige Entwicklungsprojekte, unter anderem die Schulung und Aufklärung von Wählern. "Am Ende muss es das pakistanische Volk selbst schaffen, die Regierung zu wählen, die es haben will", sagte Warning. Die Entwicklung der Demokratie von unten nach oben zu fördern sei ein richtiger Weg, wenn auch ein sehr langwieriger.

© epd