"Christen müssen sich für Nahrungssicherheit weltweit einsetzen"
(Hannover, 28.06.2010) Vom 20. bis 27. Juli findet die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Stuttgart statt. Das Thema der Vollversammlung ist: „Unser tägliches Brot gib uns heute“. Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich erwartet von LWB-Vollversammlung, dass sie die „Stimmen der Schwachen“ verstärkt.
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© EKD Johannes Friedrich
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Johannes Friedrich: Bereits Martin Luther hat in seiner Auslegung der Vaterunser-Bitte das Brot als Gabe für alle Menschen beschrieben und damit die Frage nach der Verantwortung für den Nächsten gestellt. Daraus erwächst auch die Aufgabe der Kirche, ihren Beitrag für die Hilfe in der Not und für die Versöhnung in der Welt zu leisten. Dennoch bleibt diese Bitte auch das Gebet jedes einzelnen Christen. Jede und jeder hat mit dieser Bitte ganz individuelle Erfahrungen gesammelt. Beim Beten dieser Worte werden Menschen sowohl auf die im persönlichen Lebensvollzug anvertrauten Gaben schauen als auch auf den, der von sich sagt, dass er das „Brot des Lebens" ist.
Frage: Wenn nicht alles täuscht, wird Nahrungssicherheit für alle Menschen eine Utopie bleiben. Was können Christinnen und Christen hier tun?
Johannes Friedrich: Diesen Skandal immer wieder zum Thema zu machen und mit all denen zusammen zu arbeiten, die sich mit dieser Zustandsbeschreibung nicht abfinden wollen - das ist und bleibt die zentrale Aufgabe aller Christen. So mussten wir protestieren, als der G8 / G20 Gipfel dies Thema völlig unbeachtet lassen wollte. Der LWB ist über den Weltdienst und die Menschenrechtsarbeit sowohl an der konkreten Armutsbekämpfung als auch an der mehr gesellschaftspolitisch ausgerichteten Arbeit zur Bekämpfung der Armut beteiligt. Beides ist notwendig, beides muss im Kontakt mit anderen Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und mit den politisch Verantwortlichen geschehen. Deshalb gilt auch in Zukunft: Jede einzelne Spende wird ebenso dringend gebraucht wie die Überzeugungsarbeit, dass alle Kräfte gebündelt werden müssen, um den Skandal des Hungers und der Armut aus der Welt zu schaffen.
Frage: Neben diesem Thema stehen weitere drei Schlüsselthemen im Vordergrund: Klimawandel, illegitime Auslandsverschuldung, HIV und Aids. Wie kann sich der LWB hierzu Gehör in Gesellschaft und Politik verschaffen?
Johannes Friedrich: Ich weiß gar nicht, ob es darauf ankommt, dass sich der LWB als solcher Gehör verschafft. Wichtig scheint mir zu sein, dass wir im LWB und in seinen Mitgliedskirchen die Themen gründlich beraten, um uns als Kirchen in die jeweiligen Entscheidungsprozesse einzubringen. Dabei ist es unsere erste Aufgabe, die „Stimmen der Schwachen" zu verstärken. Zu den genannten Themen existiert eine Fülle von Expertenwissen, das wir für unsere Beratungen dringend benötigen. Allerdings ist auch darauf zu achten, wer unter den Folgen von Klimawandel und HIV und Aids am stärksten zu leiden hat. Natürlich tangieren die Themen auch uns in Deutschland unmittelbar. Dennoch können wir die Auswirkungen eher eingrenzen, als Menschen in anderen Regionen dieser Welt dies realisieren können. Mit der Finanzkrise hat das Thema der Auslandsverschuldung erstmals Europa unmittelbar erfasst. Der LWB hat sich schon häufig mit dem Thema befasst, meist auf Bitte der Kirchen in Lateinamerika. Für die Europäer blieb es jedoch häufig das „Thema der Anderen". Das hat sich jetzt grundlegend geändert. Die Kirche von Island hat sich bereits mit den Kirchen in Lateinamerika in Verbindung gesetzt, um von ihnen Erfahrungen und Einsichten zum Umgang mit diesem Thema zu erhalten.
Johannes Friedrich ist Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes. Die Fragen stellte Udo Hahn.








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Last Update: 26.10.2010 09:36:36 |
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