Freiwillig verantwortlich?
Zwischen dem Anspruch internationaler Normen und der Wirklichkeit besteht nach wie vor ein großes Gefälle. Millionen Menschen leiden unter Hunger und Armut, sind Opfer von Ausbeutung, Gewalt, gesundheitlichen Risiken und ökologischen Schäden. Auch Unternehmen tragen dafür Verantwortung. Dabei können ausschließlich freiwillige und private Initiativen verantwortlichen Wirtschaftens, einer Corporate Social Responsibility (CSR), die Kluft zwischen menschenrechtlichen, sozialen und ökologischen Problemen einerseits und den normativen Werten unserer Zivilisation nicht allein überwinden. Transnationale Unternehmen müssen in ihrem Wirkungsbereich aktiv zur Einhaltung der genannten Normen beitragen und ihr Verhalten gegenüber der Öffentlichkeit transparent und nachvollziehbar darstellen. CSR-Initiativen sind keine Alternative zu notwendigen Regulierungen.
Der EED setzt sich in doppelter Weise für eine am Gemeinwohl orientierte Unternehmenspraxis ein. Er fördert und unterstützt einerseits entsprechende Freiwilligkeitskonzepte von Unternehmen im Sinne gesellschaftlicher Verantwortung (Corporate Social Responsibility) und setzt sich andererseits gemeinsam mit dem Netzwerk für Unternehmensverantwortung (Corporate Accountability / CorA) für verbindliche staatliche Regulierungen ein.
Öko-faires Beschaffungswesen ist dabei ein Schwerpunkt. Staatliche Einrichtungen, Kommunen, aber auch Kirchen brauchen einen Ordnungsrahmen, um ihre enorme Kauf- und Nachfragemacht zu nutzen, damit sie nicht nur beim billigsten Anbieter, sondern bei Unternehmen einkaufen können, die verbindliche ökologische und soziale Kriterien in Produktion und Handel berücksichtigen.
Das Netzwerk Corporate Accountability (CorA)
Über 40 soziale Gruppen, Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, kirchliche und entwicklungspolitische Organisationen, Verbraucher- und Umweltverbände arbeiten im Netzwerk CorA zusammen. Gemeinsam engagieren sie sich auf verschiedenen Feldern für eine am Gemeinwohl orientierte Unternehmensverantwortung und nutzen dabei eine Vielfalt an Instrumenten und Ansätzen.
Die Partner des Netzwerks wollen, dass transnationale Unternehmen, ihre Tochterunternehmen und ihrem Zulieferer in ihrem täglichen Handeln die Menschenrechte sowie international vereinbarte soziale und ökologische Normen einhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, will CorA
- die gesellschaftliche Debatte über das wirtschaftliche und politische Handeln transnationaler Unternehmen verstärken und
- sich für Corporate Accountability einsetzen. Darunter werden verbindliche Instrumente verstanden, mit denen diese Unternehmen verpflichtet werden, die Menschenrechte sowie international anerkannte soziale und ökologische Normen und Standards zu respektieren.
Die Mitglieder von CorA sind davon überzeugt, dass der Weg zu verbindlichen, grenzüberschreitend wirksamen Unternehmensregeln nicht nur ethisch geboten, sondern auch wirtschaftlich für das Wohl der Allgemeinheit dringend notwendig ist. Die verbindliche Verantwortung kann mit einer Kombination von Instrumenten erreicht werden, insbesondere durch finanzpolitische Instrumente, durch Grenzwerte, durch Anreiz- und Sanktionssysteme, durch ordnungspolitische Vorgaben und langfristig durch veränderte Strukturen, die den Weg zu einer sozial- und ökologisch verträglichen sowie vor allem einer menschenrechtskonformen Wirtschaftsweise eröffnen.
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Für ein nachhaltiges Beschaffungswesen

