Kamerun: „Nur die Entwicklung der Landwirtschaft sichert die Ernährung“
(10.04.2008) Angesichts der weltweiten Proteste gegen die massive Erhöhung der Lebensmittelpreise kritisierte Bernard Njonga, Präsident der EED-Partnerorganisation ACDIC, die Abhängigkeit Kameruns von Nahrungsmittelimporten. Die Nahrungsmittelsicherheit im Land ließe sich nur erreichen, wenn die inländische Landwirtschaft gestärkt werde.
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© ACDIC ACDIC-Präsident Bernard Njonga
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Auch Kamerun wurde Anfang März von mehrtägigen Protesten erschüttert, bei denen eine der Losungen der Demonstranten lautete: „Wir haben Hunger!“ Nach offiziellen Angaben kamen 28 Menschen während der Unruhen ums Leben, unabhängige Menschenrechtsorganisationen berichten sogar von über 100 Toten und mehr als 1000 Verhaftungen. Inmitten der Aufarbeitung der massiven Proteste und Unruhen, fand die Generalsversammlung der größten zentralafrikanischen Bürgervereinigung, „Association citoyenne de défense des intêrets collectifs“ (ACDIC) in der Hauptstadt Jaunde statt. An dem Treffen nahm auch eine Delegation von EED und APRODEV unter Leitung von Konrad von Bonin teil.
Auf der Generalversammlung der EED-Partnerorganisation kritisierte ACDIC-Präsident Bernard Njonga die Versäumnisse der Vergangenheit: „Ich bedauere sehr, dass sich unsere Warnungen der letzten Jahre vor den Folgen der Abhängigkeit vor Nahrungsimporten erfüllt haben. Der Slogan der meisten Jugendlichen bei den Unruhen, war schlicht „nous avons faim" („wir haben Hunger"). Unfassbar in einem Land, welches so fruchtbar ist, dass es die gesamte Region ernähren könnte. Aber wir sagen der Regierung schon lange, wenn wir uns weiter abhängig machen von Nahrungsmittelimporten, statt unsere eigene Landwirtschaft zu entwickeln, dann führen hohe Weltmarktpreise zu Hunger in unserem Land."
Konrad von Bonin griff in seinem Grußwort diesen Gedanken auf und ermunterte die Mitglieder und den Vorstand von ACDIC, ihren Weg eines zivilgesellschaftlichen Engagements für bessere Lebensbedingungen Aller in Kamerun weiterzugehen. Er erläuterte den Delegierten, dass für den EED nicht nur die finanzielle Unterstützung ihrer Arbeit wichtig sei. "In einmaliger Art arbeiten wir eng auf den verschiedenen politischen Ebenen zusammen. So kann unsere gemeinsame internationale Lobbyarbeit auch zu grundsätzlichen Veränderungen führen, insbesondere im Bereich der Entwicklungs- und Handelsbeziehungen zwischen Europa und Afrika“.
Delegationsmitglied Francisco Mari, Koordinator der Kampagne „keine chicken schicken“, betonte im Hinblick auf diese Beziehungen, dass es immer noch Einflussmöglichkeiten auf die laufenden Verhandlungen über die so genannten Economic Partnership Agreements (EPA) gäbe: „Das sogenannte Interimsabkommen, das Kamerun unterschrieben hat, mit seinen absehbaren negativen Folgen für die landwirtschaftliche Produktion, muss nicht die Basis für das zukünftige Regionalabkommen sein, wie die EU es erwartet. Wenn in der Region, aber besonders in Kamerun, wie bisher der Druck der Zivilgesellschaft anhält, dann können wir gemeinsam noch erreichen, dass die EU ihr Versprechen ernst nimmt, entwicklungspolitische Aspekte in den EPAs höher zu gewichten als Handelskriterien.“
Die Generalversammlung von ACDIC wurde am Morgen mit je einem gemeinsamen Gebet nach christlicher und muslimischer Tradition eröffnet. Danach gab der Generalsekretär Jacob Kotcho einen Rückblick auf die seit der Gründung vergangenen 4 Jahre. In dieser Zeit ist ACDIC auf eine aktuelle Mitgliederzahl von 11.500 angewachsen, wobei 45 Prozent der Mitglieder in der Landwirtschaft tätig sind und 30 Prozent der Mitglieder Frauen. "Diese sensationelle Mitgliederentwicklung ist vor allem der erfolgreichen Kampagne gegen den Import von Geflügelfleisch zu verdanken", so Kotcho, "die sehr vielen Produzenten wieder zu Einkommen verholfen hat."
Ebenso erfolgreich wurde der Start der Kampagne für Ernährungssouveränität mit der Hauptforderung nach staatlicher Unterstützung der kleinbäuerlichen Produktion eingeschätzt. 620.000 unterschriebene Petitionen an die Regierung, die KleinbäuerInnen finanziell zu unterstützen, wurden als Beweis dafür gewertet, dass es ACDIC gelungen ist sich als Sprachrohr der Zivilgesellschaft Kameruns zu etablieren. Dies wurde auch bestätigt durch die Berufung Bernard Njongas zum offiziellen Unterhändler der EPA Verhandlungskommission der Zentralafrikanischen Staaten.
Jacob Kotcho merkte aber auch selbstkritisch an, dass diese Dynamik des wachsenden politischen Einflusses es leider nicht erlaubt hat Mitglieder und Provinzvorstände besser und intensiver zu integrieren und zu betreuen. In der Aussprache über den Bericht forderten auch viele Delegierte in der nächsten Zeit mehr auf die Bedürfnisse der Einzelmitglieder einzugehen und die Kampagnen mit regionaler Bedeutung mehr zu unterstützen.
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Neugewählter Vorstand von ACDIC
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Die abschließende Debatte auf der Generalversammlung schloss mit der Annahme einer Resolution, die auf nationaler Ebene weiter auf den Schwerpunkt der Durchsetzung von Ernährungssouveränität setzt, aber auf regionaler Ebene Raum schafft für eigenständige Kampagnen, wie die Frage der Abholzung des Regenwaldes in der Ostprovinz oder die mangelhaften Transportwege in der Adamaoua Provinz.
Francisco Mari






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Last Update: 09.06.2008 17:16:38 |
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