Filmpremiere der Dokumentation über die Hähnchenkampagne im Europaparlament
(16.01.2007) Der internationale Filmemacher Marcello Faraggi hat mit Förderung des Evangelischen Entwicklungsdienstes eine Dokumentation über die Folgen der massiven Exporte von Geflügelfleisch nach Afrika und über die erfolgreiche gemeinsame Kampagne europäischer und afrikanischer NGO dagegen gedreht.
Zu der Filmpremiere, die auf Einladung des schwedischen Europaabgeordneten Carl Schlyter und der Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament stattfand, kamen über 120 Gäste. Europaabgeordnete aller Fraktionen, Vertreter von internationalen Verbänden der Zivilgesellschaft und NRO und Brüsseler Lobbyisten waren angetan von den Bildern, die sowohl die negativen Folgen der Agrarexporte aufzeigen, als auch die vielschichtigen und unterschiedlichen Aktivitäten in Nord und Süd zum Stopp dieser desaströsen Exporte bebildern.Bernard Njonga, Präsident der Bürgervereinigung ACDIC aus Kamerun bedankte sich bei den europäischen Partnern, besonders beim EED, SOS Faim, ICCO und APRODEV für die großartige Unterstützung: „Dies wurde in unserem Land wahrgenommen. Unsere Regierung konnte das Problem der massenhaften Importe nicht leugnen, wenn selbst im Ausland Aktionen dagegen stattfinden“, so Bernard Njonga in einer dem Film anschließenden Diskussion. Kamerun ist seit 2006 frei von Importen, die einheimische Geflügelwirtschaft blüht nun auf, nachdem auch die Vogelgrippe überstanden ist. „Diese Dokumentation ist nun Teil unseres Projektes, das sich darum bemüht dauerhaft auch Kleinhalterinnen und Kleinhaltern von Geflügel in anderen Ländern Westafrikas zu ermöglichen mit ihren Produkten auf ihren lokalen Märkten, den einheimischen Bedarf zu decken, so Francisco Mari, Koordinator des EED/ICCO Projektes „Keine Chicken schicken“. „Für die geduldige und engagierte Zusammenarbeit bedanken wir uns herzlich bei Marcello Faraggi, so Mari weiter.
Trotz des Erfolges in Kamerun, den dieser Film am Ende aufzeigt, ist es bisher nicht gelungen auf europäischer Ebene die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen für ein Ende der Fleischexporte nach Afrika zu gewinnen. Karin Ulmer von APRODEV betonte: "In den bisherigen Verhandlungen zu den sogenannten EPA-Abkommen gibt es grosse Sorge, dass den AKP-Ländern der nötige politische Freiraum und die nötige Flexibilität in den Handelsregeln nicht zugestanden wird, um die Förderung der einheimischen Geflügelproduktion zu unterstützen und die lokalen Märkte effektiv vor Dumping von EU Agrarimporten zu schützen. Solange die EPA-Verhandlungen einseitig exportorientierte Produktionszweige unterstützt, ist schwerlich zu sehen, wie Armut, die vor allem ländlich und weiblich ist, durch EPAs reduziert werden soll."
Carl Schlyter, der für die nächsten Monate einen Bericht zur Situation von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in den AKP Staaten für das Europäische Parlament erstellt, versprach dieses Anliegen weiter zu unterstützen. APRODEV, ICCO, ACDIC, EED und SOS Faim legten dazu ein Dokument vor, in dem die Forderungen der kamerunischen Kampagne aufgegriffen wurden.
„Für uns ist die Unterstützung von Partnern wie ACDIC Teil des Bemühens des EED tatsächlich durch das Aktionsprogramm 2015 zu einer Halbierung der Armut zu kommen“ sagt Karl-Michael Kronenberg, Verantwortlicher für die Förderung von ACDIC im Afrikareferat, „solange aber die EU oder ihre Mitgliedsländer auf der einen Seite entwicklungspolitische Projekte, wie Kleintierhaltung fördern, durch unfairen Handel aber wieder zerstören, wird dieses Ziel nicht erreicht werden können. Im Gegenteil. Geht die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Afrika zugrunde, werden Hunger und Armut noch mehr zunehmen.“
„ Die Aktionen und der Erfolg, wie sie im Film zu sehen sind“, so Bernard Njonga abschließend, „haben die Menschen in meinem Land verändert. Sie werden selbst aktiv um zu Veränderungen zu gelangen.“ In einer Unterschriftenaktion haben nun 650.000 UnterzeichnerInnen in Kamerun von ihrer Regierung weitere Schritte zur Unterstützung der lokalen Landwirtschaft gefordert.
Durch das große Interesse an der Aufführung ermuntert wird der Film nun zur weiteren Lobbyarbeit in Europa, Afrika und anderen Ländern eingesetzt werden. Er ist in sechs Sprachen übersetzt worden. Im kamerunischen Fernsehen wurde er bereits gezeigt und hat viele positive Zuschauerreaktionen erhalten. Momentan sind Ausschnitte aus dem Film und ein Interview mit dem Filmemacher und Carl Schlyter im Internet zu sehen. Die DVD kann beim EED bezogen werden.




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Last Update: 16.01.2007 18:43:57 |
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