VENRO-Mitgliederversammlung wählt Jürgen Reichel in den Vorstand
(Bonn, 15.12.2009) Neuer Vorstandsvorsitzender des Verbands Entwicklungspolitik (VENRO) ist Ulrich Post (56). Der leitende Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe wurde am Dienstag auf der Mitgliederversammlung des Dachverbands in Bonn gewählt. Post tritt die Nachfolge von Claudia Warning, Vorstandsmitglied des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED), an, die nach vier Jahren im Amt nicht mehr kandidierte. Jürgen Reichel, Leiter des Referats Entwicklungspolitischer Dialog im EED, wurde in den Vorstand gewählt.
"VENRO wird sich noch stärker dafür einsetzen müssen, dass ein Fünftel der Menschheit nicht aus dem Blick der Politik gerät", sagte Post nach seiner Wahl. "Es ist die drängendste Aufgabe der Entwicklungspolitik dafür zu sorgen, dass dieses ärmste Fünftel wirtschaftlich und sozial nicht abgekoppelt wird."
Post war seit 2005 stellvertretender Vorsitzender von VENRO. Der gelernte Journalist ist seit 1996 bei der Welthungerhilfe tätig. Zunächst hatte er das Amt des Pressesprechers inne, später übernahm er die Leitung des Arbeitsbereichs Politik und Außenbeziehungen.
Neues Mitglied im VENRO-Vorstand ist der 50-jährige Pfarrer Jürgen Reichel vom Evangelischen Entwicklungsdienst. Der Leiter des Referats Entwicklungspolitischer Dialog im EED trug der Mitgliederversammlung fünf Anliegen vor, die er in seiner Vorstandsfunktion besonders im Auge haben wird:
- Armutsbekämpfung ist das überwölbende Ziel der Entwicklunsgarbeit - auch der staatlichen. Man muss Acht geben, dass in der neuen Regierung der Kohärenzgedanke nicht auf den Kopf gestellt wird: Die Zivilgesellschaft versteht darunter, dass das Außenhandeln Deutschlands da kohärent sein muss, wo es um die Bedürfnisse armer Bevölkerungsgruppen geht. Die neue Regierung aber scheint darunter zu verstehen, dass sich die Hilfe, die Deutschland leistet, bestmöglich mit deutschen Export- und Investitionsinteressen harmonieren soll.
- Ich möchte im VENRO-Vorstand darauf achten, dass Deutschland sich nicht aus seinen Verpflichtungen zur Armutsbekämpfung stiehlt, an die im Herbst 2010 zehn Jahre nach dem Millenniumsgipfel besonders erinnert werden muss. Es hat den Anschein, dass Deutschland die anstehenden Klimazahlungen an Entwicklungsländer von der Entwicklungshilfe abziehen will.
- Es muss öffentlich viel deutlicher gemacht werden, wozu Entwicklungszusammenarbeit gut ist - das gilt für die private wie die staatliche. Es muss aber auch deutlich gemacht werden, was Entwicklungshilfe nicht leisten kann, damit die Öffentlichkeit nicht mit Scheinargumenten nach dem Motto "50 Jahre Entwicklungszusammenarbeit haben nichts gebracht" an der Nase herum geführt wird. Es muss vor allem herausgestellt werden, warum die staatliche internationale Zusammenarbeit so extrem bedeutsam ist und nicht privaten Organisationen übergeben werden kann.
- Die Nichtregierungsorganisationen in der EU müssen verstärkt zusammenarbeiten. Wenn der Lissabon-Vertrag umgesetzt wird, wird die EU noch größeres Gewicht für die Entwicklungsarbeit bekommen.
- Ich möchte daran mitwirken, dass VENRO seine Positionen im Dialog mit Nichtregierungsorganisationen und Kirchen auf der südlichen Erdhalbkugel entwickelt.
VENRO ist der "Bundesverband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen" bündelt die Kräfte deutscher NGO. Der Verband fördert die Zusammenarbeit der Mitglieder und koordiniert gemeinsame Kampagnen. Ihm gehören 118 private und kirchliche Entwicklungsorganisationen an.
mib mit epd

