Zugang zu Medikamenten
Menschen in Entwicklungsländern haben oft nur unzureichenden oder keinen Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten. Dadurch erkranken und sterben jährlich Millionen von Kindern, Frauen und Männern an Krankheiten, die mit Medikamenten behandelbar wären. Dies betrifft vor allem Vernachlässigte Krankheiten. Dazu gehören Infektionskrankheiten, wie HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria und die Schlafkrankheit. Frauen und Kinder sind besonders häufig betroffen.
Der Zugang zu Medikamenten ist durch große globale Ungleichheit gekennzeichnet: 15 Prozent der Weltbevölkerung - in den reichen Ländern - konsumieren über 90 Prozent der pharmazeutischen Produkte. Dagegen haben fast zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu essenziellen Medikamenten - das ist jeder dritte Mensch in den Entwicklungsländern, in weiten Teilen Asiens und Afrikas ist es sogar jeder zweite.
Jedes Jahr sterben 20 Millionen Menschen an Krankheiten, die eigentlich vermeidbar oder behandelbar wären. Sie sterben nicht zuletzt deshalb, weil selbst lebensnotwendige Medikamente unerschwinglich teuer sind, weil sie unwirksam sind, nicht mehr dem wissenschaftlichen Fortschritt entsprechen, nicht den lokalen Verhältnissen angepasst sind oder weil sie für die Krankheiten in den armen Ländern gar nicht erst entwickelt und produziert werden. Mit einem verbesserten Zugang zu Medikamenten könnten zehn Millionen Menschenleben jedes Jahr gerettet werden.
Ein wichtiger Grund für mangelnde Verfügbarkeit von Medikamenten sind die internationalen Patentregeln, die im TRIPS-Abkommen der Welthandelsorganisation (WTO) festgeschrieben sind. Weil dieses Patentsystem dazu führt, dass Forschung für Medikamente nur gemacht wird, wenn für sie ein lukrativer Markt besteht, gibt es zu wenig Forschung für überwiegend die Armen betreffende Krankheiten, Wenn Medikamente zur Verfügung stehen, sind diese für die armen Menschen in den Entwicklungsländern unerschwinglich teuer, da die internationalen Patentregeln Medikamente als geistiges Eigentum betrachten. Dadurch können Pharmafirmen ihre Medikamente patentieren, dies verhindert Wettbewerb und treibt die Preise in die Höhe.
Dies gilt vor allem für den Bereich der sog. Vernachlässigten Krankheiten (Malaria, Schlafkrankheit, Tuberkulose und andere). Auch die öffentliche Förderung dieser Forschung ist nicht ausreichend. Deshalb setzt sich der EED für eine größere öffentliche Förderung, d.h. durch staatliche Mittel, von Forschung und Entwicklung für Arzneimittel und Diagnostika ein. Solche öffentliche Förderung - bzw. von Universitäten und anderen Einrichtungen ausgeführte Forschung - kann außerdem ohne Patente auskommen und bei der Herstellung der Medikamente auf preiswerte Generika setzen.
Der EED engagiert sich auch in der Aids Kampagne des Aktionsbündnis gegen AIDS für Preissenkungen bei Medikamenten und für Generikaproduktion durch die Entwicklungsländer. Im ökumenischen Verband setzt er sich als Mitträger der Ecumenical Advocacy Alliance und im Pharmadialog in der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung für einen verbesserten Zugang zu Medikamenten ein.
Das Ökumenisch-Pharmazeutische Netzwerk
Das Ecumenical Pharmaceutical Network ist ein globales Netzwerk, dass sich um pharmazeutische Belange in den kirchlichen Gesundheitseinrichtungen kümmert. Es verfolgt das Ziel eine mitfühlende, gerechte und nachhaltige Gesundheitsversorgung in und durch kirchliche Gesundheitssysteme zu entwickeln. Schwerpunkte sind die Ausbildung von kirchlichem Gesundheitspersonal in der ordnungsgemäßen und medizinisch korrekten Verschreibung von Medikamenten (rational drug use), Advocacy und die Förderung des Zugangs zu essenziellen Medikamenten.
Zugang zu Medikamenten in der EU
Die Europäische Kommission hat im November 2008 einen vorläufigen Bericht veröffentlicht, der die Ergebnisse einer Untersuchung des Pharmazeutischen Sektors zu Wettbewerb in der Pharmaindustrie und zum Thema Generika beinhaltet. Eines der Ergebnisse lautet: die Einführung von Generika wird durch massive Ausweitung von Patenten und Patentclustern gezielt verzögert.
- Executive Summary des Berichts (16 Seiten, 118 KB)
- Pharmaceutical Sector Inquiry. Preliminary Report (426 Seiten, 2 MB)
Weitere Informationen
- MSF Kampagnen-Seite Zugang zu essentiellen Medikamenten
- Intergouvernementale Arbeitsgruppe für öffentliche Gesundheit, Innovation und geistiges Eigentum (IGWG) bei der WHO
- Ärzte ohne Grenzen zu IGWG
- Oxfam-Paper: Ending the R&D Crisis in Public Health: Promoting pro-poor medical innovation
- MSF-Broschüre "Forschungszwerg Deutschland"
- MSF-Broschüre "Forschungszwerg Deutschland (Update 2011)"
- Förderkonzept "Vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten" des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
- Broschüre "Forschung für vernachlässigte Krankheiten - Plädoyer für eine nachhaltige öffentliche Forschung"
- Website der Drugs for Neglected Disease initiative (DNDi)
- med4all-Broschüre: Medizinische Forschung: Der Allgemeinheit verpflichtet. „Equitable licenses“ für Ergebnisse öffentlich geförderter medizinischer Forschung.
- Die Ecumenical Advocacy Alliance (EAA) hat in 2008 eine Kamapagne gestartet zu Diagnose und Behandlung von Kindern die mit HIV und Aids leben. Die Kampagne steht im Lichte der sich im November 2009 zum 20. Mal jährenden Verabschiedung der Kinderrechtskonvention.
- Buchtipp: Ellen ‘t Hoen: "The Global Politics of Pharmaceutical Monopoly Power"



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Last Update: 18.01.2012 16:34:51 |
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