Eine-Welt-Filmpreis NRW an Christa Graf verliehen
(Köln, 18.06.2009) Christa Graf war gerührt: „Diese Auszeichnung gibt mir erneut das Gefühl, dass die harte Arbeit an dem Film Sinn gemacht hat." Die Regisseurin des EED-geförderten Films „Memory Books" sagte, sie habe sich mit dem Filmprojekt „in etwas reinbegeben, was viel Kraft gekostet hat", und was jetzt ein Teil von ihr sei. Am 17. Juni überreichte Armin Laschet, NRW-Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration im Kölner Media Park den Eine-Welt-Filmpreis NRW an die diesjährigen Preisträger.
Prämiert wurden die drei Filme „Memory Books. Damit Du mich nie vergisst", der vom EED gefördert wurde, „Gold über alles"von Robert Nugent und „Deweneti. Irgendwo in Afrika" von Dyana Gaye. Alle drei Filme erhielten einen ersten Preis, das Preisgeld betrug daher 2.000 Euro pro Film.
„Memory Books" nähert sich auf einfühlsame Weise dem Thema HIV-Aids in Uganda. HIV-positive Frauen schreiben für ihre Kinder Erinnerungsbücher, damit sich diese an ihre Mütter besser erinnern können, wenn sie später an der Krankheit gestorben sind. Laschet sagte in seiner Laudatio: „Frau Graf ist es gelungen, die Stärke der Protagonisten zu zeigen, obwohl diese sich in einer schweren Krise befinden. Der Film schafft es in herausragender Weise, offen und ohne Bevormundung über das Thema Aids zu sprechen. Wir brauchen Filme, die genau diese Wirklichkeit zeigen."
Christa Graf betonte: „Das Großartigste an dem Umgang der afrikanischen Frauen mit ihrer Krankheit ist, dass die Idee und die Initiative von ihnen selber gekommen ist. Ich habe immer wieder gespürt, dass in der Tiefe dieser existentiellen Gefühle wir alle gleich sind - unabhängig von unserer Herkunft."
Die Preisverleihung fand im Rahmen des 20. Fernsehworkshops Entwicklungspolitik statt. Seit 1972 befördert der Fernsehworkshop die kritische Auseinandersetzung und Reflexion der filmischen Berichterstattung über die Dritte Welt. In seinem Festvortrag zum 20. Jubiläum stellte Wolfgang Landgraeber fest: „Früher haben viele Menschen relativ schlechte Filme angeschaut, während sich heute relativ wenige Menschen sehr viel bessere Filme ansehen." Die Berichterstattung in den Medien sei heute viel differenzierter als früher. In den 70 Jahren habe es kaum einen Bericht über Afrika gegeben, der nicht mit Stammestänzen begonnen habe. Menschen seien nicht als Individuen wahrgenommen worden. Landgreber ist Fernsehredakteur beim WDR. Er kennt die Arbeit des Fernsehworkshops von Anfang an noch aus seiner Zeit als Filmemacher. Er wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die Ungerechtigkeit und die Not, die ausgeschlossene Bevölkerungsgruppen erfahren, nicht leicht im Fernsehen zu transportieren seien. „Bitte keine Elendsbilder" laute eine Forderung der Programmmacher. „Elendsbilder sind im Fernsehen Abschalter", so Landgraeber. Das rückläufige Interesse sei für ihn dennoch kein Grund für Pessimismus. Bewusstseinswandel sei ein langer Prozess. Die Tatsache, dass heute viele gute Filme entstehen und gesendet werden, sei ein gutes Zeichen.
Der EED fördert seit über 40 Jahren entwicklungspolitische Filmproduktionen. „Die Berichterstattung im Fernsehen und in den Kinos sind ein wesentlicher Baustein für die Sensibilisierung der Menschen", meint Christoph Wilkens, Leiter des Referates Öffentlichkeitsarbeit des EED. Dass so viele Menschen in Deutschland bereit sind, sich für die Dritte Welt zu engagieren, sei ohne die mediale Präsenz nicht denkbar gewesen, so Wilkens. Auch der Film „Eisenfresser" von Shaheen Dill-Riaz, der beim Eine-Welt-Filmpreis NRW 2007 den ersten Platz gewonnen hat, wurde vom EED gefördert.

