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Aktuelles

WM in Südafrika: Mini-Weltcup in Kapstadts Township
(Kapstadt, 09.07.2010) Die EED-Fachkraft Dayana Dreke berichtet aus Kapstadt von einem Mini-Weltcup für Kinder aus Townships, toller WM-Stimmung und den Schattenseiten des Turniers.
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Man Up-Kampagne stärkt lokales Engagement gegen sexuelle Gewalt
(Johannesburg, 07.07.2010) Vom 5. bis 11. Juli 2010 haben sich in Johannesburg bei der Man Up-Konferenz 85 junge AktivistInnen aus 50 Ländern getroffen. Die weltweite Kampagne "Man Up" ruft Jugendliche zum Kampf gegen sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt auf. Desiree Zwanck wurde vom EED als Gender-Beraterin zu HEAL Africa in Goma vermittelt und nahm als Trainerin an der Konferenz teil.
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Das Drama der Vertriebenen
(Bonn, 23.11.2009) Die EED-Partnerorganisation "Corporación Compromiso" unterstützt in Kolumbien Opfer von Gewalt und Vertreibung – unter anderem mit Theatertherapie.
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Internationaler Friedenstag in Liberia: Versöhnung als gemeinsame Hoffnung
(Monrovia, 30.09.2009) Nichts haben die Menschen Liberias mehr gebraucht, nichts mehr herbeigesehnt, als den Frieden. Nach 14 Jahren Bürgerkrieg, nach all den unaussprechlichen Geschichten, in all der Trauer und Wut, herrscht seit dem Jahr 2003 nun endlich Frieden im Land. Längst sind jedoch nicht alle Wunden verheilt, eine nationale Versöhnung, die Aufarbeitung der Geschehnisse ist in vollem Gange.
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EED-Vorstand Wilfried Steen in Ruhestand verabschiedet
(Bonn, 26.08.2009) EED-Vorstand Wilfried Steen ist in den Ruhestand verabschiedet worden. Der Pfarrer aus Lautenthal im Harz vollendet am 4. September sein 65. Lebensjahr. Er leitete seit der Gründung des Werkes im Jahr 1999 die Inlands- und Personalprogramme des Hilfswerks. Als Nachfolger wurde Pfarrer Rudolf Ficker eingeführt, der bislang das Stipendienprogramm des EED leitete.
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Weitere Meldungen

Fußball für das Leben


(San José, 10.11.2008) Mit Unterstützung des EED und von "Brot für die Welt" arbeitet das Projekt „Fútbol por la vida“ in Costa Rica daran, Kindern und Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verhältnissen eine bessere Perspektive zu geben.
Fußballschülerin in Alajuelita | © fútbol por la vida
Bild vergrößern Fußballschülerin in Alajuelita | © fútbol por la vida
Jenseits von weißen Traumstränden, majestätischem Regenwald und mystischen Vulkanen liegt das andere Costa Rica. Sein zweites Gesicht sind die „Barrios“. Am Rand der Städte wachsen diese einfachen Wohnsiedlungen, in denen heute bereits zwischen 20 und 30 Prozent der gut vier Millionen Menschen des Landes leben, immer weiter. „Die Realität in diesen Barrios bedeutet für die dort lebenden Jugendlichen und Kinder Kriminalität, Drogenhandel, Prostitution und sexueller Missbrauch“, sagt Andreas Teltscher, der als EED-Fachkraft in Costa Ricas Hauptstadt San José für ein außergewöhnliches Jugendprojekt arbeitet: „Fútbol por la vida“.

Sich für Kinder und Jugendliche, die hier oft als Bandenmitglieder vorverurteilt werden, zu engagieren und ihnen eine faire Chance zu geben – das ist das Ziel der Initiative. Gegründet wurde das ökumenische Straßensozialprojekt „Fútbol por la vida“ im April 2004 von Organisationen rund um die lutheranische Kirche Costa Ricas (ILCO). Finanzielle Unterstützung kommt vor allem von zwei Organisationen: dem irischen katholischen Hilfswerk „Trócaire“ und der deutschen Organisation „Brot für die Welt“. Außerdem steht hinter dem Projekt ein deutscher Schirmherr: der bekannte Fußballcoach Felix Magath. Er trainiert heute den Bundesligisten VfL Wolfsburg und informiert sich regelmäßig über die Entwicklung von „Fútbol por la vida“, dessen Fortschritte ihn begeistern.

Junge dribbelt Fußball | © fútbol por la vida
Neue Perspektiven im Trainingscamp | © fútbol por la vida
Fast 800 Jungen und Mädchen trainieren wöchentlich drei Mal in einer der sechs Fußballschulen an verschiedenen Orten Costa Ricas. Zum Beispiel in Alajuelita. Der Vorort von San José, in dem viele Einwohner in Siedlungen von Wellblechhäusern wohnen, hat den Ruf, einer der gefährlichsten Gegenden des Landes zu sein. Wer in solchen Straßen aufwächst, hat wenig Zeit für Träume. Für Sozialarbeiter ist es ein schwieriges Pflaster, denn kaum jemand ist hier bereit sich gut gemeinte Ratschläge von Außenstehenden anzuhören. Aber die Mitarbeiter von „Fútbol por la vida“ werden hier stets mit Freudengeschrei begrüßt, denn sie geben den Jugendlichen etwas Fundamentales – einen Traum, um weiter zu kommen. Dabei geht es weniger darum, Fußballstars zu finden, wie es der Leitgedanke der zahlreichen Fußballschulen ist, die zum Beispiel Fußballprofis in den Slums von Rio de Janeiro in Brasilien unterhalten. Bei diesem Projekt in Costa Rica ist Fußball vor allem der Weg für die Sozialarbeit. „Natürlich sind unsere Fußballtrainer Profis, alles andere würden die Jugendlichen sofort merken. Aber sie werden stets von einem Sozialarbeiter oder Psychologen begleitet“, berichtet Andreas Teltscher.

Costaricanische Straßenfußballer bei WM in Deutschland | © fútbol por la vida
Bild vergrößern Costaricanische Straßenfußballer bei WM in Deutschland | © fútbol por la vida
Seit mehr als zwei Jahren kickt der 12-jährige José aus Tejarcillos, einem Ortsteil von Alajuelita, regelmäßig mit. Der Junge trägt einfache, saubere Jeans und ein T-Shirt, seine Füße stecken in abgelaufenen Flip-Flops. Er ist zurückhaltender als seine gleichaltrigen Kumpels, die den Entwicklungshelfer lautstark in ein Gespräch verwickeln. Auf die Frage, was sie denn einmal machen wollen, wenn sie groß sind, zucken sie allesamt nur lakonisch mit den Schultern. Aber José weiß wenigstens vom tollsten Erlebnis seines Lebens zu berichten. Seine Augen beginnen zu leuchten, als er von seiner Reise mit „Fútbol por la vida“ zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland erzählt. Auf Einladung von „Brot für die Welt“ reisten Kinder, Jugendliche und Betreuer zur „WM Schulen: Fair Play for Fair Life“, wo sie auch von Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul empfangen wurden. Danach folgte eine kleine Rundreise zu verschiedenen Kirchengemeinden in ganz Deutschland. „Einfach klasse!“, schwärmt Nachwuchsfußballer José.

„Die Unterstützung durch deutsche Entwicklungshilfe und Kirchengemeinden ist für uns lebensnotwendig“, sagt Roy Arias, Projektkoordinator von „Fútbol por la vida“. Keinesfalls dürfe die Entwicklungszusammenarbeit dabei Aufgaben übernehmen, welche den costaricanischen Staat aus seiner sozialen Verantwortung entließe. „Ganz im Gegenteil, wir mahnen das an. In der Öffentlichkeit wollen wir Bewusstsein schaffen für die schlimme Situation in den „Barrios“ und das Fehlen einer vernünftigen Sozial-, Bildungs- und Gesundheitspolitik“, erklärt Psychologe und Sozialarbeiter Arias. Entwicklungsfachkraft Teltscher weiß von einem kleinen Erfolg bei der Öffentlichkeitsarbeit des Projektes zu berichten: „Im Vorfeld der Fußball-WM haben uns auch costaricanische Journalisten besucht. Einige waren entsetzt, versicherten, dass ihnen diese Probleme nicht bewusst waren und sie fortan nicht mehr die Augen davor verschließen würden“.

Kinder mit buntem Schwungtuch | © fútbol por la vida
Bild vergrößern Gemeinschaftserfahrung für Kinder aus den Vorstädten | © fútbol por la vida
Wichtiges Element bei der Bewusstseinsbildung sind auch die Turniere, welche „Fútbol por la vida“ regelmäßig mit Mannschaften von Schulen aus besseren Gegenden organisiert. Denn so lernen sich Nachwuchs aus den „Barrios“ und der höheren Mittelschicht kennen. Auch Eltern und Lehrer lernen, dass die Kicker aus den Ghettos ganz normale Kinder sind und keine Banditen. Besonderer Besuch kam im Jahr 2006 zu einem Freundschaftsspiel mit der Schulmannschaft des deutschen „Colégio Humboldt“ in San José: Franz Beckenbauer besuchte die Kinder und Jugendlichen als Botschafter der deutschen Fußball-Weltmeisterschaft.

Natürlich ist die Teilnahme an dem Fußballtraining von „Fútbol por la vida“ keine Garantie dafür, dass sich die Jugendlichen am Ende nicht doch einer Bande anschließen und auf die schiefe Bahn geraten. In einigen der sechs Fußballschulen müssen die Trainer zu Beginn des Unterrichtes ihren Schützlingen erst einmal Messer und Pistolen abnehmen, denn oftmals sind ihre älteren Geschwister bereits in Bandenkriege verstrickt.

„Es ist schon krass, was man da so aus dem Alltag der Kinder mitbekommt“, berichtet Silvia Ramirez. Sie ist eine der Sozialarbeiterinnen beim Training und Ansprechpartnerin für die Jungen und Mädchen. „Meistens fragen sie mich zum Thema Beziehung und Sexualität, denn keiner von ihnen hatte jemals Sexualkundeunterricht“, sagt Ramirez. Gewalt vor allem gegenüber Mädchen steht auf der Tagesordnung, in solchen Fällen ist die Sozialarbeiterin tröstende Schulter, medizinische und rechtliche Beraterin in einer Person. Ihre Handynummer gibt sie stets weiter, ist damit rund um die Uhr zu erreichen. „Die schlimmsten Anrufe kommen spät in der Nacht. Aber ich liebe meine Arbeit und ich lebe von den kleinen Erfolgen, denn ich sehe, wie es einzelne Kinder und Jugendliche schaffen voranzukommen.“

Torge Löding

Der Artikel erschien zuerst im Internetmagazin "Deutschland online".